Ostsee

Die Ostsee, ein Brackwassermeer ohne Gezeiten[1], weist eine ausgesprochene Artenarmut auf. „Sie beherbergt weniger Arten als vergleichbare limnische oder marine Systeme.“[2]

Die Ostsee ist mit wenigen tausend Jahren Alter das jüngste Meer der Welt und es konnten sich somit evolutionär noch keine endemischen[3] Arten in der Ostsee entwickeln. So sind in der Ostsee nur Arten anzutreffen, die in der Nordsee vorkommen oder Süßwasserfische, die in den Mündungsgebieten der Flüsse einen geringen Salzgehalt tolerieren können. Dieses ist auf den Salzgehalt der Ostsee zurückzuführen. Durch ständige Schwankungen des Salzgehaltes bei der Entstehung der Ostsee sind zahlreiche Lebensformen immer wieder für sie lebensfeindlichen Bedingungen ausgesetzt gewesen.[4] Heute besteht der einzige Salzwasserzufluss über die Nordsee durch die Wasserstraße über Skagerrak und Kattegatt, wobei der Zustrom von Salzwasser durch viele Schwellen und Becken in der Beltsee beeinträchtigt wird.[5] Süßwasserzuflüsse finden verstärkt im Nordosten über Schweden und Finnland und an allen anderen Küsten der Ostsee durch Flüsse statt, was zu einem Salinitätsgefälle[6] von drei bis 30‰ führt.

Durch die Salinitätsunterschiede können neben den marinen Arten auch limnische Arten in der Ostsee angetroffen werden, die aber ebenso wie die die marinen Arten einen eingeschränkten Lebensraum in der Ostsee aufweisen können. Der Seestern (Asterias rubens) kommt aufgrund der geringen Salzgehalte ab Rügen im östlicheren Bereich der Ostsee nicht mehr vor. Eine ähnliche Verbreitung zeigen viele anderen Arten, die bei immer geringer werdenden Salzgehalten ihren Lebensraum nur in den westlichen Ostseegebieten wieder finden. In den salzarmen Gebieten ist es aber auch möglich, dass sich limnische Arten in das Brackwasser vorwagen und dort z.B. auf Nahrungssuche gehen. So werden stenohaline und euryhaline Organismen unterschieden. Die stenohalinen Formen haben eine osmotische Toleranz, die sich in engen Grenzen bewegt und können sich daher nur geringen Salzgehaltschwankungen anpassen. Die euryhalinen Organismen hingegen weisen einen deutlich breiteren Toleranzbereich auf und verkraften größere Salzgehaltsschwankungen.[7]

 

Zonierung

Neben der Artenvielfalt, die wie oben erwähnt gering in der Ostsee im Vergleich zu anderen Meeren, ausfällt, die aber eine hohe Individuenanzahl aufweist, unterscheidet sich die Zonierung[8] der Ostsee. Da die Bedingungen in der Flensburger Förde die Grundlage für diese Arbeit bilden, wird daher die häufigste Zonierungvariante in der Flensburger Förde kurz vorstellt.

 

 Hierzu wird mit der Wasserlinie begonnen, wo der Psammal[9] (Sandboden) bis in eine Wassertiefe von cirka ein bis zwei Meter erreicht. Anschließend wird dieser von der Zostreawiese (Seegraswiese)[10] bis in eine Wassertiefe von fünf bis sechs Meter abgelöst. An die Seegraswiese schließt die Mytilusbank (Miesmuschelbank) an, die in eine Tiefe von bis zu 15 Meter reichen kann und an den Pelos (Weichboden) grenzt. Die einzelnen Bereiche werden von unterschiedlichen abiotische Faktoren[11] beeinflusst und so kann es vorkommen, dass Teilbereiche nicht vertreten sind.

Der Psammal wird durch die Wasserbewegung stark in seiner Ausdehnung beschränkt[12]. Gleichzeitig ist die Wasserbewegung auch der Faktor, der die Ausbreitung der Zostreawiese im Flachwasser bestimmt, durch die Kräfte, die das Wasser auf die marinen Blütenpflanzen und ihre Bodenverankerung ausübt.[13] Die Ausbreitung in die Tiefe wird hingegen vom Licht und der photosynthetischen Leistungskapazität des Seegrases bestimmt. Die Mytilusbank benötigt kein Hartsubstrat um sich ansiedeln zu können, da sich die einzelnen Miesmuscheln gegenseitig mit ihren Byssusfäden als Substrat nutzen. Somit wird die Ausbreitung in der Höhe nur durch z.B. die Fressfeinde wie Vögel begrenzt und in der Tiefe durch den Sauerstoffanteil im Wasser und die Wasserströmungen, die den Detritus[14] von dem Miesmuscheln und ihren Siphonen spülen und filtrierbare Nahrung zu den Miesmuscheln bringen. Der Weichboden bildet für die restliche Tiefe den Lebensraum.


 

[1] Vgl. Gray, S.169

[2] Vgl. P. Jonas, S.21

[3] Arten, die ausschließlich in einem speziellen Gebiet vorkommen

[4] Die Ostsee entstand vor etwa 15.500 Jahren. Zuerst war der Baltische Eissee ein Süßwassersee, der etwa dreieinhalb tausend Jahre später, durch das Abschmelzen der Gletscher in Skandinavien und die damit verbundenen Landhebung, die durch die Gewichtsentlastung der schmelzenden Gletscher entstand, ergab sich ein Durchbruch zur Nordsee, der einen Salzwasserzufluss über Mittelschweden zur Folge hatte und somit wurde die Ostsee zu einem Brackwassermeer. (Ist die Verdunstung geringer als die Süßwasserzuflüsse, wird von Brackwasser gesprochen) Nur zweitausend Jahre später schloss sich der Durchgang durch die anhaltende Landerhebung und die Gletscherschmelze. Die reichlichen Süßwasserzuflüsse führten zu einer Aussüßung des Wassers. Nur fünfeinhalbtausend Jahre später bildete sich die bis heute noch vorhandene Form der Ostsee. Über das Kattegatt strömte erneut Salzwasser ein, so dass das Ostseewasser wieder mit Salz angereichert wurde. Diese kurz aufeinander folgenden Salinitätswechsel ließen keine evolutionäre Anpassung der Arten zu, was erklärt, warum es keine endemischen Arten in der Ostsee gibt.

[5] Vgl. P. Jonas

[6] Salzgehaltsunterschiede, vgl. Tardent, S.166

[7] Vgl. Tardent, S. 169

[8] Aufteilung in Raum- oder Flächeneinheiten; Vgl. Tait, S.188

[9] Vgl. Anhang Grafik 1

[10] Vgl. Tardent, S. 147

[11] Physikalische und chemische Faktoren der unbelebten Umwelt

[12] Vgl. Tait, S.204 und Tardent, S. 145

[13] Vgl. Emschermann, Hoffrichter, Körner, Zissler, S.64

[14] Organische Zerfallprodukte, die auf den Meeresboden sinken