Medizin Diverses

 Die Atemphase des Menschen

Überschreiten der Freitauchgrenzen

Flachwasser - Bewusstlosigkeit

Schwimmbad - Blackout

Lunge und Atmung

Hyperventilation

Der Tauchreflex

_______________________________________________________

Allgemein:

Unter Tauchen versteht man üblicherweise das völlige Eintauchen des menschlichen Körpers in Wasser mit einem zeitlich befristeten Aufenthalt unter der Wasseroberfläche.

Für diese Umgebungsbedingungen ist der Mensch primär nicht geschaffen. Dennoch gehört das Tauchen für eine Reihe von Menschen zum beruflichen Alltag, wird aber auch von vielen Menschen als Freizeitbeschäftigung und Sport betrieben. Die Betreuung der professionellen Taucher und der Freizeittaucher ist das Feld der Tauchmedizin.

Basis der Tauchmedizin ist das Wissen um die physiologischen und pathophysiologischen Grundlagen des Aufenthaltes unter Wasser. Aufgaben der Tauchmedizin bestehen darin, diese Kenntnisse bei der Untersuchung und Beratung von Tauchern anzuwenden und diese über die besonderen Risiken eines Aufenthaltes unter Wasser zu beraten. Zur Tauchmedizin gehört aber auch die Untersuchung und Behandlung von Erkrankungen, die im Zusammenhang mit dem Tauchen auftreten können.

Die Charakterisierung der Tauchmedizin als ein Bereich, der sich mit dem Aufenthalt des Menschen in einer für ihn nicht primär geeigneten Umgebung beschäftigt, lässt die Parallelen zur Weltraummedizin, zur Flugmedizin und Höhenmedizin erkennen. Auf Grund der besonderen Umgebungsbedingungen erwachsen besondere Risiken und daraus für den untersuchenden und beratenden Arzt eine besondere Verantwortung.

_______________________________________________________

Die Atemphase des Menschen:

_______________________________________________________

Überschreiten der Freitauchgrenze:

Abhängig von der Vitalkapazität hat jeder Taucher eine individuelle Tiefengrenze, die je nach Alter, Lebensgewohnheiten, Trainingszustand und vorausgegangenen Erkrankungen unterschiedlich groß sein kann. Interessant ist vor allem auch das sie sich innerhalb eines Jahres erheblich verändern kann.
Vereinfacht unterteilt sich die Totalkapazität der Lunge in Vitalkapazität und dem Residualvolumen. Im folgenden wird von einem durchschnittlichen trainierten Taucher mit einer Vitalkapazität von 4,5 l ausgegangen, ihm steht bei maximaler Inspiration ein Gesamtvolumen von 6 l Luft in der Lunge zur Verfügung. Da die Lunge durch das bewegliche Zwerchfell und die elastische Brustkorbwandung dem Umgebungsdruck gut angepasst werden kann, tritt eine Überdruckschädigung beim Schnorcheln hier erst unter sehr viel höherer Druckbelastung auf, als es etwa in den Nebenhöhlen der Fall wäre.
Die Grenze lässt sich bei einem Taucher mit 6 l Totalkapazität folgendermaßen ermitteln:

Wasseroberfläche = 1 bar = 6 l
10 m Tiefe = 2 bar absolut = 3 l
20 m Tiefe = 3 bar absolut = 2 l
30 m Tiefe = 4 bar absolut = 1,5 l

In 30 m Tiefe ist das Lungenvolumen von 6 l auf 1,5 l komprimiert. Das heißt, das Lungenvolumen ist auf das Residualvolumen zusammengedrückt, die Tieftauchgrenze ist rechnerisch erreicht.
Sie wird aber noch durch eine Vielzahl anderer Faktoren negativ beeinflusst. 

_______________________________________________________

Flachwasser - Bewusstlosigkeit:

Beim Tieftauchen hat der Apnoetaucher einen erhöhten Sauerstoffpartialdruck in der Lunge. Dies führt gegenüber Atemanhalten an der Wasseroberfläche zu einer besseren Ausnutzung des in der Lunge vorhandenen Sauerstoffs. Es kann also (theoretisch) in größerer Wassertiefe länger die Luft angehalten werden. 
Durch den beim Auftauchen sinkenden Umgebungsdruck kommt es auch zu einem Absinken des Sauerstoffpartialdrucks in der Lunge, sodass jetzt kein Sauerstoff mehr in den Blutkreislauf aufgenommen wird. Im Extremfall kann es sogar zu einer Rückdiffusion von Sauerstoff in die Lungenalveolen kommen. Taucht ein Apnoetaucher also aus größerer Tiefe zur Wasseroberfläche auf, so kann es aufgrund des rasch abfallenden O2- Spiegels zu einer Bewusstlosigkeit in Folge akuten Sauerstoffmangels im zentralen Nervensystem kommen. Das größte Risiko stellen im Normalfall die letzten 10 m dar. 

_______________________________________________________

Schwimmbad-Blackout:

Dieser Begriff rührt daher, dass gerade im Schwimmbad nach Hyperventilation häufig Streckentauchversuche gemacht wurden, in denen es aufgrund der in dem Artikel über Hyperventilation beschriebenen Mechanismus zur Bewusstlosigkeit gekommen ist.
Da unser Körper kein ausreichendes Warnsystem für Sauerstoffmangel hat, kann der Taucher nach Hyperventilation die Luft länger anhalten. Kurz bevor es aufgrund der Sauerstoffmangelversorgung des Gehirns zur Bewusstlosigkeit kommt, fällt dadurch das Sehen aus (Blackout), unmittelbar danach tritt allerdings auch die Bewusstlosigkeit ein. Bei entsprechendem Ehrgeiz (Zeittauchwettkampf) ist es allerdings auch möglich, dass ohne vorherige Hyperventilation die Luft so lange angehalten wird bis eine Bewusstlosigkeit eintritt. Daher ist es wichtig, im Training solche Übungen zu begrenzen oder entsprechend zu beaufsichtigen.

Dieser Bericht ist von der Website Freitauchen.de

_______________________________________________________

Lunge und Atmung



In Ruhe und bei normaler Atmung beansprucht ein Mensch nur einen geringen Teil seines Ventilationsvermögens. Das Atemzugvolumen beträgt in Ruhe etwa 500ml, geatmet wird ca. 12 mal in der Minute. Die Vitalkapazität (bei maximaler Ein- und Ausatmung) ist von Alter, Geschlecht, Konstitution, Grösse und Gewicht des Einzelnen abhängig. Auch nach voller Ausatmung verbleibt ein Restanteil Luft in der Lunge, die sogenannte Residualluft (Residualvolumen, ca. 1,2 l). Vitalkapazität und Residualvolumen ergeben zusammen die Totalkapazität. Das Residualvolumen beträgt rund 19% der Vitalkapazität. Es spielt für die erreichbare Tiefe beim Apnoetauchen eine Rolle. (siehe auch Lungen-Barotrauma im Kapitel Risiken)

Fig.1 zeigt das Verhältnis der einzelnen Lungenvolumina zueinander. Die Vitalkapazität ergibt sich dabei aus der Summe von Reservevolumen nach tiefer Ausatmung + Reservevolumen nach tiefer Einatmung + Atemzugvolumen in Ruhe. Sie stellt die maximal mit einem Atemzug austauschbare Luft dar. Die Totalkapazität ist die Summe von Vitalkapazität + Residualvolumen.

Fig. 1

Das Verhältnis vom Residualvolumen zu Totalkapazität stellt ein Mass für die theoretisch maximal erreichbare Tiefe dar (siehe auch Bloodshift).

Beispiel:

Residualvolumen 1,5 l
Vitalkapazität 5,5 l
Totalkapazität 7l

Bei einer Tiefe von 36,6 m (entsprechend einem Druck von 4,6 bar) wäre das Totalvolumen von 7l durch den Aussendruck auf das Residualvolumen von 1,5 l komprimiert. Bei noch grösserer Tiefe käme es zu einem Unterdruck in der Lunge und somit zu einem Lungenbarotrauma mit Lungenödem (siehe auch Bloodshift). 

_______________________________________________________

Hyperventilieren

Hyperventilation ist das verstärkte teilweise schnelle Ein- und Ausatmen.
Durch Hyperventilieren kann die Dauer der Apnoe an der Oberfläche um bis zu 60%, beim Streckentauchen um bis zu 40% ausgedehnt werden. Beim gesunden Menschen ist das Hämoglobin im arteriellen Blut jedoch schon zu 97% mit Sauerstoff gesättigt. Hyperventilation führt daher kaum zu einer erhöhten Anreicherung von Sauerstoff im Blut, sondern hauptsächlich zur Hypokapnie (herabgesetzter Kohlendioxidspannung im Blut). Dies kann gegebenenfalls bedeuten, dass der durch die Kohlendioxidkonzentration gesteuerte Atemreflex zu spät einsetzt und eine plötzliche Bewusstlosigkeit aufgrund Sauerstoffmangels auftritt. (siehe auch Schwimmbadblackout im Abschnitt Risiken). Vor unkontrollierter Hyperventilation bei Tauchgängen muss daher eindringlichst gewarnt werden.

_______________________________________________________

Der Tauchreflex

Dieser Reflex, der eine Verlangsamung der Herztätigkeit um 6-15 % auslöst wurde zuerst 1870 von Paul Bert 

 bei Enten entdeckt, Irving wies ihn 1941 auch beim Menschen nach. Die Bradycardie (langsamer Herzschlag) setzt beim Eintauchen des Gesichts in das Wasser ein. Gleichzeitig kommt es zu einer Verminderung der Durchblutung in beiden Unterarmen. Je tiefer die Temperatur, desto ausgeprägter ist der Reflex. Die Rezeptoren liegen dabei vorwiegend im Mund- und Nasenbereich. Auch die Apnoe an sich bewirkt eine Herabsetzung der Herzfrequenz. Bei dieser Art der Bradycardie erfolgt die Auslösung über Dehnungsrezeptoren in der Thoraxmuskulatur. Beide Effekte, die aus der stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen herrühren, werden auch bei allen tauchenden Tieren beobachtet.

   
 

Vielen Dank auch noch an Stefan Gerlach, der mir viele Informationen zur Verfügung gestellt hat!!!

Seine Homepage: hier klicken

* mit freundlicher Genehmigung von Dr. Claus-Martin Muth (GTÜM, Ausschuss Tauchmedizin) und DLRG Westfalen, http://www.dlrg.de/Gliederung/Westfalen/