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Gesetze
Dalton’sches Gesetz oder Partialdruckgesetz
Der Gesamtdruck eines Gasgemisches ist
die Summe der Drücke, die jedes Gas für sich ausüben würde, wenn es alleine
den gesamten verfügbaren Raum des Gasgemisches ausfüllte. So üben die 78%
Stickstoff der Luft in Meereshöhe auch 78% des Gesamtluftdrucks von ca. 1
bar, d.h. 0,78 bar aus, entsprechend üben die 21% Sauerstoff der Luft in
Meereshöhe einen Sauerstoffpartialdruck (Sauerstoffteildruck) von 0,21 bar
aus. _______________________________________________________________________
Das Volumen eines jeden Gases unter
konstanter Temperatur verhält sich umgekehrt proportional zum absoluten
Druck. Die Dichte ist dem absoluten Druck ebenfalls direkt proportional. Das
heißt: der Wert von Druck mal Volumen ist konstant (p x V = konstant).
Entsprechend sind die druckänderungsabhängigen Risiken in der Nähe der Wasseroberfläche am größten. Dies ist auch der Grund dafür, dass es im Regelfall unsinnig ist, ärztlicherseits eine auf niedrige Tauchtiefen beschränkte Tauchtauglichkeit auszusprechen: Wenn keine Tauchtauglichkeit besteht, dann besteht die Tauchtauglichkeit auch nicht für niedrige Tauchtiefen! Werden starr umschlossene Gasräume mit einem fest umschlossenen Gasvolumen, z.B. im Rahmen einer Erkältung zugeschwollene Nasennebenhöhlen oder Paukenhöhle, einer Druckänderung ausgesetzt, so ist - wegen der starren Umwandung - eine Volumenänderung und gleichzeitige Druckanpassung an den sich ändernden Umgebungsdruck nicht möglich. Damit entstehen Druckunterschiede zwischen der starr umschlossenen Gasmenge und der Umgebung, die im Falle der Nasennebenhöhlen starke Schmerzen und im Falle der Paukenhöhle auf Grund der Druckdifferenz zwischen Paukenhöhle und äußerem Gehörgang zum Zerreißen des Trommelfells führen können. Da bereits in 3 m Wassertiefe ein Druckunterschied von 0,3 bar zwischen äußerem Gehörgang und Paukenhöhle herrscht, genügen bereits wenige Meter Tauchtiefe zum Zerreißen des Trommelfells mit u.U. für den Taucher tödlichen Folgen: Es strömt gegenüber der Körpertemperatur deutlich kälteres Wasser ein, welches das Gleichgewichtsorgan massiv reizt: Bei der sofort einsetzenden Orientierungslosigkeit kann es zum Ertrinken des Tauchers kommen. Ein weiteres Beispiel dafür, dass auch bereits in ganz geringen Tiefen lebensbedrohende Risiken lauern, stellt das Schnorcheln dar: Beim Schnorcheln befindet sich der Körper unter Wasser und damit in einer Umgebung mit höherem Druck als an der Wasseroberfläche, während die Lunge über den Schnorchel mit der Umgebungsluft und dem niedrigeren Druck als im Wasser verbunden ist: Somit ergeben sich prinzipiell immer Druckdifferenzen zwischen dem unter höherem Druck stehenden Lungengewebe einschließlich der Lungenkapillaren (feinste Lungenblutgefäße) und dem unter niedrigerem Druck stehenden Lungenbläschen-, Bronchien- und Luftröhrenraum. Um diese Druckdifferenz zu begrenzen, sind handelsübliche und zulässige Schnorchel auf eine Maximallänge von 30 cm begrenzt. Bereits bei einer Verlängerung des Schnorchels auf 60 cm wäre die Druckdifferenz mit 0,06 bar so groß, dass selbst beim völlig Gesunden Blutflüssigkeit aus den Kapillaren in die Lungenbläschen gepresst würde und so das klinische Bild eines Lungenödems entstünde. _______________________________________________________________________
Die Menge eines jeden Gases, welches sich
in Flüssigkeit löst, ist direkt abhängig vom Partialdruck des Gases, welches
die Flüssigkeitsoberfläche berührt, sowie vom Löslichkeitskoeffizienten des
betreffenden Gases in der betreffenden Flüssigkeit.
Gasblasen treten immer dann auf, wenn ein
tolerables Maß der „Übersättigung“ einer wässrigen Lösung mit Gas
überschritten wird. Früher nahm man an, dass dieser Übersättigungsfaktor im
menschlichen Blut etwa 2 beträgt, d.h., dass ein Aufstieg aus 10 m
Wassertiefe = 2 bar Druck an die Wasseroberfläche gerade noch ohne Auftreten
von Gasblasen möglich wäre. Aus heutiger Kenntnis heraus ist dieser
Übersättigungsfaktor aber deutlich kleiner; schon beim schnellen Auftauchen
aus nur 6 m Wassertiefe lassen sich mit empfindlichen diagnostischen
Techniken Gasblasen nachweisen.
Gefahren, die von den Gaspartialdrücken
ausgehen, ergeben sich beim Tauchen in mehrerlei Hinsicht: Wird mit normalen
Presslufttauchgeräten in größere Tiefen getaucht, so steigt der
Stickstoffpartialdruck (Stickstoffteildruck) auf Werte an, bei denen
Stickstoff giftig wirkt: So beträgt der Stickstoffpartialdruck in 40 m
Wassertiefe (5 bar x 0,78 =) 3,9 bar. Dieser Stickstoffpartialdruck kann
bereits zu einer Stickstoffnarkose, in der Tauchmedizin auch als
Tiefenrausch bekannt, führen: Dies zeigt sich zunächst in einer euphorischen
und der Situation unangemessen unkritischen Bewusstseinslage des Tauchers,
die zu unkontrollierten Reaktionen und der Gefahr des Absteigens in größere
Tiefen mit Verstärkung der Symptomatik und Ertrinken führt. Wird dagegen mit
reinem Sauerstoff getaucht, wie dies für Sporttaucher unzulässig ist, aber
z.B. im militärischen Bereich genutzt wird, so wird auf Grund des (gegenüber
den sonst üblichen Lebensbedingungen des Menschen an Land) massiv
gesteigerten Sauerstoffpartialdrucks rasch die Sauerstofftoxizitätsgrenze
überschritten: Wird in 10 m Tiefe reiner Sauerstoff geatmet, so entspricht
dies einem Sauerstoffpartialdruck von ca. 2 bar und damit dem fast
zehnfachen des an Land üblichen Sauerstoffpartialdrucks in der Atemluft auf
Meereshöhe (0,21 bar). In diesem Druckbereich (und mehr noch bei 15 m Tiefe)
sind - vor allem unter den Bedingungen körperlicher Arbeit - bereits
sauerstofftoxische Effekte mit Erregungsstadium und schließlich
Bewusstlosigkeit möglich. _______________________________________________________________________ Für jedes Gas unter konstantem Druck ist das Volumen direkt proportional der absoluten Temperatur: für jedes Gas unter konstantem Volumen ist der Druck direkt proportional der absoluten Temperatur. Auch dies spielt beim Tauchen in kaltem Wasser eine Rolle: Der Druck in einer von der Sonne aufgeheizten Preßluftflasche sinkt beim Eintauchen in kaltes Wasser auch ohne Atemgasentnahme, der verfügbare Luftvorrat wird kleiner.
Auf Grund der Toxizität sowohl von
Stickstoff als auch von Sauerstoff ist ein Tauchen sowohl mit Pressluft als
auch mit reinem Sauerstoff tiefenmäßig begrenzt. Für tiefere Tauchgänge
müssen deshalb die Partialdrücke sowohl von Sauerstoff als auch von
Stickstoff relativ niedrig gehalten werden, was die Verwendung eines
weiteren Gases, z.B. Helium, in speziellen Gasmischungen (z.B. Heliox oder
Trimix) erforderlich macht. Weitere Risiken ergeben sich z. B. aus Verletzungen, die trotz auftretender Blutung auf Grund des Kälteeinflusses unbemerkt bleiben und zum Blutungsschock führen können bis hin zu Verletzungen z.B. durch angreifende Tiere oder durch allergische Reaktionen durch Berührung mit Quallen. _______________________________________________________________________ Eine weitere wichtige physikalische Grundlage sowohl für Schwimmen als auch Tauchen beruht auf dem Archimedischen Prinzip des Auftriebs: Das Gewicht eines Körpers in einer Flüssigkeit wird um soviel leichter wie die verdrängte Flüssigkeit wiegt. Für den Menschen bedeutet dies, dass das spezifische Gewicht des Körpers bei tiefer Einatmung und Luftanhalten etwa im Bereich des spezifischen Gewichtes von Wasser liegt, so dass in diesem Zustand etwa ein Schwimm- oder Schwebezustand auch ohne nennenswerte Schwimmbewegungen möglich ist, während im Zustand tiefer Ausatmung das spezifische Gewicht höher als von Wasser ist und der Körper ohne Schwimmbewegungen nach unten sinkt. Bei sehr salzhaltigem Wasser liegt das spezifische Gewicht des Wassers höher, entsprechend ist dann auch der Auftrieb größer, so dass hier ein Schwimmen auch in der Ausatemphase möglich ist (Beispiel: Totes Meer). Für den Taucher bedeutet das Archimedische Prinzip, daß durch mitgeführte Tariergewichte oder eine entsprechende Tarierweste bei mittlerer Atemlage ein Schwebezustand ohne Schwimmbewegung möglich sein sollte. Gefahren erwachsen daraus, dass es sowohl durch Bleigewichte als auch durch das Zusammenpressen von luftgefüllten Hohlräumen in Neopren - Anzügen zu einem ungewollten Absinken in größere Tiefen oder durch das plötzliche Aufblasen einer Tarierweste aus einer Gasflasche zu einem unkontrolliert schnellen Aufstieg kommen kann. Dieser Bericht stammt von der Website: KFC Tauchmedizin
und wurde von W. Müller
für meine Website freigeben.
Dr. med. Gerd Hoffmann
Sportmedizinisches Institut
an der J. W. Goethe-Universität
Frankfurt/Main
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