Tauchgeschichte

Mit Barakuda fing das Tauchen an


Wie war es damals? - Die Barakuda Story

Der Bus keuchte die steilen Serpentinen zur Passhöhe hinauf. Alle 30 Minuten hält Spiros an und kippt aus einem mitgeführten Kanister Wasser in den kochenden kochenden Kühler. Die Ventilation ist hervorragend: Die Scheiben fehlen, die Karosserie ist an vielen Stellen von Einschüssen durchlöchert, und die Füße muss man vor dem ständigen Bombardement wild gewordener Schottersteine schützen, da die letzten Reste der Bodenbleche der Bodenbleche bei der Durchquerung eines Flussbettes abgerissen worden sind. Die Brücke über die Schlucht, der Struma war von Partisanen gesprengt worden, und man hatte notdürftig zwei breite Holzbohlen von Pfeiler zu Pfeiler verlegt, über die Spiro seinen schwankenden Bus mit traumhafter Sicherheit zum anderen Ufer steuert. Es war nicht ratsam,. Dabei nach unten zu sehen. Selbst die schwindelfreiesten Tiefwassersegler beschlich ein unangenehmes Gefühl. Sie wollten heraus aus diesen öden Bergen, an die Küste, das Meer...

Thalatta- das Meer! Die alten Griechen hätten es nicht jubelnder und erlöster ausrufen können als die sieben Lords einer Marinenachrichtengruppe, die in diesen heißen Frühlingstagen des Jahres 1941 Saloniki und damit die Ägäis erreichten. Ihre Aufgabe war, parallel zu den auf dem Festland vorrückenden Truppen des Heeres, so schnell wie möglich den Piräus zu erreichen und dort eine Nachrichtenstelle zu errichten. Da der Seemann von Natur aus jedem Fortbewegungsmittel auf dem Lande mit mit tiefem Misstrauen gegenübersteht, war es nahe liegend, sich hierfür eines alten Hafenschleppers zu bedienen, um den Vormarsch auf dem Seewege fortzusetzen.

Der erste Blick in das kristallklare Wasser der Ägäis war überwältigend. Der alte Steamer dampfte gen Süden. Im Kielwasser schwabbelte im Schlepp ein ehemaliges Schwammfischerboot. Beim filzen der Räume fand Hermann, der Obermaat, eine Brille, wie sie die griechischen Schwammfischer benutzten. An der Südspitze des Peilon, etwa da, wo der Golf von Volos sich öffnet, wurde geankert, da die Kameraden vom Heer nur mühsam über Land durch Geröll und zerstörte Strassen nachhinkten. Das Meer lag spiegelglatt. Auf dem Grund, in etwa 10 Metern Tiefe wiegten sich Seegrasbüschel. Unbekannte, abenteuerliche Fische huschten darüber hin. Nach einigen Versuchen klappte es mit der Brille, und eine neue, vorher nie gesehene Welt tat sich vor den erstaunten Augen auf. Die Jungs rissen sich die Brille gegenseitig aus der Hand. Jeder wollte es sehen. Jeder musste solch ein Ding haben. Dies war der Anfang der ersten deutschen Sport-Tauchgerätefabrik, die dann mit wechselndem Standort in Piräus und auf den Inseln Poros, Aghios, Georglos und Kreta der Schrecken aller Materialverwalter wurde. Fensterglas, Gummi jeder Art, Autoreifen und gummierte Deckenplanen, Blattfedern und Isolierband waren die begehrten Rohstoffe.

Hab Ihr schon gehört: Toller Job für uns in Aussicht! Hermann stürmte durch die offene Tür der Marinesignalstation und begann vor Aufregung zu stottern. Ein Schiff mit mehreren Studenten, die nichts weiter tun als Tauchen, und das nur so zum Spaß. Nächste Woche kommt es in die Ägäis. Wahrscheinlich muss ein Funker oder Signalgast dort an Bord, und dann... Kinder!... Das wäre ja gar nicht auszudenken: Keine Funkwache mehr, keine Signalwache mehr, nur noch Tauchen!... Und Ausrüstungen sollen die haben, zwar auch nur selbst gebastelte, aber noch ganz ganz anders. Geräte, mit denen man lange unter Wasser bleiben kann, und Fotoapparate und Kameras, mit denen unter Wasser gefilmt und fotografiert wird!... Der große Kampf um den Posten begann. Jochen Bergann wurde aller weiteren Auseinandersetzungen enthoben, da er am nächsten Tag nach Warna an das Schwarze Meer kommandiert wurde.

Frühjahr 1941

Im Frühjahr 1941 hatte Jochen Bergann seine erste Begegnung mit der Unterwasserwelt in der Ägäis.

Der Krieg tobt und weitet sich aus. Die Kriegsmarine büsst eine Einheit nach der Anderen ein. 1944 gibt es keine aktiven größeren Pötte mehr. Die stolzen blauen Lords müssen „ergrauen“ und werden als Jan Maat oder Schiff zu Stoppelhopsern.

Ein steifer Nord- West Peitscht das Wasser der Eckernförder Bucht gegen die Wasser TVA in Suhrendorf. Ein trüber Herbsttag schiebt sich missmutig und träge hin Danischen Hagen hoch. Zwischen die kurzen, steilen Seen kann man ab und zu eine schwarze Glaskuppel ausmachen. Gelegentlich schießt ein schlankes, dunkelgraues Stahlrohr aus den Wellen heraus, um dann wieder zurückzuklatschen und zu verschwinden. -- Die „Haie“, „Marder“, „Neger“ und „Seehunde“ sind am Werk, Admiral Hayes wilde Meute, das letzte Aufgebot zur See. In alles Hast konstruierte und eilig zusammengenietete Kleinst-U-Boote, praktisch nur kleine Stahlrohre mit Sauerstoffgerät, Drucktank, eine E-Motor und Trägervorrischtung für Torpedos. Die Monstren schieben sich an die Pier. Von der Nachtübung angestrengte Gesichter zwängen sich aus engen Luken. -- Eine Trillerpfeife. -- Der Admiral steht auf dem Platz zwischen den Baracken. Die Lederpäckchen setzen sich vom Anleger her in Trab. Aus Türen und Fenstern der Baracken rasen die „Filzer“ herbei, sowie die Trillerpfeiffe sie gerade in der Koje erwischt hat. In Unterhosen, mit eilig übergeworfenen Kolanis. „Jungs, hört mal zu, ein großer Schiet kommt auf uns zu!“ röhrt der „Alte“. Seine unvorschriftsmäßig langen Nackenhaare stülpten sich mir jeder Kopfbewegung über den Rand des Ledermantels. „Kurz und gut, die Russen sind schon bei unseren Batteriefabriken, das bedeutet, wir keinen Nachschub mehr kriegen, und damit- na, könnt Ihr Euch ja denken!“ Die letzten blauen Kameraden von den „Militärstreitkräften zur See“ erbleichen. Sie sehen sich bereits mit der Knarre in der Hand über schmierige Acker stolpern. Der Haufen verläuft sich. Kurt Ristau und Jochen Bergann schlendern zum ??? zurück. Sie denken angestrengt nach. -- „Ihr seid ja Wahnsinnsknaben!“ Leo springt auf und zeigt seinen Tischkameraden einen gewaltigen Vogel, so dass man an den anderen Tischen aufmerksam wird. Kurt und Jochen grinsen. „Wenn Euch in Masuren die Regenwürmer in den Hintern krauchen und ihr Euch nicht mal Kratzen dürft, weil Ihr sonst vom Iwan gleich einen geplättet kriegt, werden wir uns in einem wohlig warmen Schwimmbad aalen und hinterher Rotwein mit Ei schlürfen!“ Brüllendes Gelächter von den anderen Tischen. „Spinner“ - „Idioten“ - „Selbstmörder“. Kurt und Jochen grinsen, schlucken den letzten Tropfen Muckefuck und marschieren zur Schreibstube.

Zehn Tage später waren sie in List auf Sylt bei der Stammeinheit der erst kurze Zeit vorher aufgebauten kleinen Kampfschwimmertruppe, delektierten sich an gebratenen Hähnchen und labten sich hinterher mit Rotwein und Ei – wohlgemerkt alles gemäß ärztlichem Verpflegungsplan für Kampfschwimmer. - Sie waren nunmehr bei den allerkleinsten schwimmenden Einheiten der Marine, den Flossen, angelangt und kein kriegerisches Ereignis konnte mehr die Einsatzfähigkeit dieser „Fahrzeuge“ beeinträchtigen, - sie waren endgültig für die Marine gerettet. So begann Jochen Berganns zweites Rendezvous mit der Unterwasserwelt.

Sommer 1948

Eine fröhlich sonntags Vormittags sonne schoss ihre Strahlen durch die Fenster des Hokthusenbades in Hamburg-Eppendorf. Im Becken bewegten sich unter Wasser dunkle Gestalten. Sonst kein Blubbern, kein Prusten. Kurt Ristau, Jochen Bergann absolvierten ihr wöchentliches Training. Jetzt stand eine kleine Gruppe in voller Ausrüstung am Beckenrand. - Es war beinahe wie vor vier Jahren in List. Schwarze Gummianzüge, Flossen, Masken, Tauchgeräte. Alles hatten sie bei Kriegsende preisgegeben oder verloren: Private Wertstücke, Bekleidung, Lebensmittelvorrräte. Eines hatte man rechtzeitig vor dem Ende auf Sylt in Sicherheit gebracht- die Tauchausrüstungen. Von den Schwimmflossen, Vorbilder der späteren ersten deutschen Sportschwimmflossen der Barakuda Original über die Maske, den empfindlichen zweiteiligen Tauchanzug aus dünner Gummifolie mit dem dazugehörenden wärmenden Wollunterzeug und dem Bleigürtel bis zu dem heute lebensgefährlich anmutenden 0,8-Liter – Sauerstoff-Pendelatmer.

Mit der verdammten Kalkpatrone, deren Inhalt leichtsinnigerweise aufbereitet und mehrmals verwendet wurde – bis das hämmern und stechen im Schädel nicht mehr zu ignorieren war, denn die Beschaffung von Atemkalk war noch schwierig- „Mensch, ein Mordsspass!“ Begeistert klatschte Hermann, der zum ersten mal mit von der Partie war, seinen Freunden auf die Schulter. „Nächten Sonntag in der Ostsee vor dem Brodtener Ufer!- ich bringe noch fünf Mann mit!“ „Bist Du wahnsinnig!“ Jochen Bergann tippte mit der Hand vor die Stirn. „Erstens kommen wir bei den Paar Ausrüstungen schon jetzt nicht so viel zum Tauchen wie wir gern möchten und dann... Du weisst doch, bloß nicht so viel Wirbel machen!“- „Denk an das Theater neulich am Lütchensee“- „ Diese Hornochsen!“ brummte Hermann. Die „Hornochsen“ waren zwei Offiziere von der englischen Militärkommandantur, die den Fall ihres Lebens gewittert und das Victora-Kreuz nebst Hosenbandorden schon leibhaftig vor sich gesehen hatten. Eine ganze Nacht hatten Kurt, Jochen und Hermann in der Zelle gesessen, bis bei der hohen Militärgewalt das größte Misstrauen geschwunden war, nachdem man die drei in voller Ausrüstung- mit TatüTata- aus dem See geholt hatte. - So ganz war man zwar noch nicht überzeugt, dass es sich um harmlose Privatiers handelte, aber was konnte ein braver Offizier der britischen Kommandantur – und selbst wenn er ein geschulter Abwehrmann war – schon damals von dem wissen, was bald darauf als Sporttaucher zuerst hier und da und dann immer häufiger in der Öffentlichkeit auftauchte.

„Sporttaucher“- Niemand weiß heute mehr , wer es zuerst gesagt hat. Komisch, dass man nicht sofort daran gedacht hat. Ein Mordsspass- ein Sport für viele- ja, wenn man Geräte und Ausrüstungen hätte. - Geräte und Ausrüstungen für Sporttaucher. Die Idee war geboren.

Das Jahr 1949

„Whats your Intention?- Manufacturing of sportsdiving articles?“ „Der schnauzbärtige Verwaltungsoffizier der Wirtschaftsabteilung der Militärkommandantur in Hamburg sah die beiden Reismarkzeit- dürren Jünglige vor sich an, als ob er schwachsinnige Eskimos vor sich hätte. „Sport-Diving Article?- Never heard! „Er schüttelte den Kopf und war in echt britischer Ökonomie nicht Willens, auch nur ein Wort weiter an diese Sache zu verschwenden. Als Kurt Ristau mit dem Feingefühl eines Psychologen und im gepflegtesten Neuengammer KZ – Engisch einen neuen Anlauf starten wollte bedeutete der Sergeant den beiden unmissverständlich, dass sie zu gehen hätten. Achselzuckend trotteten Kurt und Joichen aus dem Gebäude und waren sofort bei der Planung der nächsten Attacke.

Es dauerte geraume Zeit, bis die Mititärwirtschaftsstrategen der Besatzungsbehörde Vertrauen zu den Sache gewonnen hatten. Erst als es ihnen klar gemacht worden war, das die Produktion von Klosettbürsten- wenn diese als Schlagwaffe angewendet- genauso wenig von militärischer Bedeutung sei, wie die von Schwimmflossen, rückten Sie mit einer Produktuionslizenz heraus, nicht ohne diese mit vielen Kontrollauflagen zu versehen. Das Jahr 1949 sah zwei stolze Fabrikationslizenzinhaber - „Barakuda“ war geboren.

„Aber meine Herren, wer soll den so etwas kaufen?“ Der im Dienst der Wärmflaschenproduktion ergraute Direktor der Phoenix Gummiwaren AG, hielt halb belustigt, halb ungläubig, staunen den stolz vor ihm stehenden beiden jungen Männern, das Modell einer Schwimmflosse entgegen. Verständlich. Die Menschen des Jahres 1949 hatten andere Sorgen. Jochen Bergann und Kurt Ristau hielten dem Produktionsboss ihre aus 40,-- DM Anfangskapital verbissen großgezogenen 4000 Piepen für eine Formanfertigung unter die Nase. Für 1949 viel Geld. „Nun denn, junge Freunde, wenn Sie ihr Geld absolut riskieren wollen!“- Die Sache begann zu laufen, und bald darauf hielt Jochen Bergann seine erste eigene Flosse in der Hand- „Barakuda original“- in schwarz, rot, grün, bleu und in transparent- mit eingetragenem Gebrauchsmusterschutz und allem Drum und Dran. Stolzer hätte keine Mutter auf ihr Kind sein können.- Ein letzter liebevoller blick, dann zog er seinen blauen Rock an, band eine Krawatte um, lud die kostbare Fracht in einen günstig erworbenen 2-Tonner- Vorkriegsadler – Diplomaten und keuchte los – verkaufen.

Ja, verkaufen! Das war so eine Sache für sich. Verkaufen sie mal etwas an eine resoluten Sport- und Trikotagen Geschäftsinhaberin, die das stolze Produkt für eine Schwimmweste hielt und den Kauf ablehnt, weil sie die Brustbänder vermisst, oder an den Bademeister von Hintertupfingen, der die Dinger für ein Schmarrn hält, weil er beim Laufen damit ständig stolpert. Seufzend machten sich die beiden an die „Aufklärung“ der Massen. Die Aufklärung sieht so aus: Timmendorfer Strandbad, Sommer 1950. Die Sonne knallt vom Himmel, die Ostsee blitzt mit 1000 Wellchen und die ersten Touristen bevölkern den Strand. Zwar noch nicht die halbe Einwohnerschaft des Ruhrgebiets, wie anno 1970, aber immerhin schon einige Tausend.

Vor einem Eiskiosk eine kreischende und gestikulierende Menschengruppe. Inmitten des Knäuels zwei Verrückte in Badehosen. Einer liegt bäuchligs auf einem Gartenstuhl und zappelt mit Armen und Beine. An den Beinen hat er Gummiflossen, mit denen er wild in der Gegend umherpeitscht. Der andere hält eine verbeulte Flüstertüte in der Hand und redet mit Überzeugungskraft und den Gesten eines Schlagenbeschwörers teil auf seinen keuchenden, zappelnden Kollegen, teils auf das amüsiert staunenden Publikum ein. Und dann kommt die große Nummer! Jeder darf mal! Nur die, die nichts mehr zu verlieren haben,. Melden sich. Zum Gaudium des übrigen Publikums. Eine Kolonne von 15-20 Versuchskanninchen stolpert im Gänsemarsch zum Wasser hinunter- nicht ganz sportgerecht, aber sehr Publikumswirksam. Die Ostsee schäumt auf. Die ersten Wadenkrämpfe lassen ihre Opfer die Gummilatschen fluchend von den Füssen reißen. Son Mist! Mit hängenden Köpfen schleichen sich die Veranstalter davon.

Mehr Verständnis zeigten die ersten Gruppen der wiederauferstandenen DLRG. Die „Barakuda-Original“ wird dort sehr schnell ein fester Ausrüstungsbestandteil. (Noch 1970 fand man bei DLRG-Wachgruppen Flossen aus der Produktion 1950 im Einsatz) Die Badegäste sehen und staunen, und im Herbst 1950 sind die ersten 4000 Paar Schwimmflossen in den beiden westdeutschen Zonen verkauft.

Die Diskussion mit den Schwimmvereinen hebt an. Ein heftiges Für und Wider das Flossenschwimmen. In der Verbandszeitschrift „Der Schwimmsport“ erscheinen regelmäßig Artikel über Tauchen und Flossenschwimmen. Kurt von Eckenbrecher, Trainer der Olympia-Schwimmannschaft 1936 schlägt sich auf die Seite der Flossenschwimmer. Der Hamburger-Schwimmverein, anfangs der 50er Jahre einer der tonangebenden Vereine, gründete ein Flossenbalett.- Die „Isar-Nixen“ aus München folgen. Auftritte in Hamburg, Amsterdam, Kopenhagen und Wiesbaden verbreiten schnell seinen Ruhm. Die Schwimmflosse, damals „Barakudas“ genannt, wird langsam populär.- Tauchclubs bilden sich. 1950 der Süddeutsche Tauch-Club München, 1951 gründen J.P. Paulsen, J. Bergann, K. Ristau und vier weitere Kameraden den DUC Hamburg.

Jochen Bergann reist im Land umher und animiert seine ehemaligen Kampfschwimmerkameraden Tauchclubs zu gründen. So entstand u.a. der DUC Krefeld unter dem späteren Kapitänleutnant der Bundesmarine, dem ersten Ausbilder der Bundesmarinetaucher „Papa Völsch“.
Das „Barakuda“-Programm weitet sich aus. 1951 kommen Masken und Schnorchel dazu. Der Umsatz verdreifacht sich. Man ruft nach einem Tauchgerät, das die umgebauten Tauchretter und mehr oder weniger gefährlichen Eigenkonstruktionen ersetzt.

Da flattert Anfang 1951 ein Brief ins Haus, der Kunde davon gibt, dass in Paris ein Mann lebt, der Inhaber eines noch gültigen deutschen Patentes auf Schwimmflossen für den Crawl-Beinschlag sein soll. Wenige Stunden nach Erhalt des Schreibens sitzt Jochen Bergann im Zug nach Paris.

BARAKUDA-Original

1950 kommt in Westdeutschland die „BARAKUDA-Original“ als erste serienmäßig produzierte Schwimmflosse auf den Markt. Flossenschwimmen und Tauchen wird als neue Sportart langsam bekannt. Die 1949 gegründete „BARAKUDA Gesellschaft für Wassersport produziert Flossen, Masken und Schnorchel und plant den Vertrieb eines ersten Tauchgeräts. Da wird Anfang 1951 die Existenz eines noch gültigen Flossenpatents bekannt.

„Monsieur de Corlieu, le Commandante an – oui, volla- Joinville-la pont, rue des Eglaiaes“ Dr. Lazare, der bekannte Patentanwalt aus der rue d`Amsterdam hält Jochen Bergann freundlich lächelnd den Zettel mit der Adresse hin. „Und Sie sind ganz sicher, dass es sich bei den Schutzansprüchen um technische Merkmale handelt, deren Erfindungshöhe und Neuheitenwert auch den strengen Bedingungen des deutschen Patentgesetzes standhält?“ „Aber Monsieur!“ - Dr. Lazare lächelt nachsichtig - „Sie können sich auf die Recherchen meines Büros absolut verlassen. Den schwimmtechnischen Wert dieser Erfindung und Ihre Marktbedeutung vermag ich allerdings nicht zu beurteilen, das ist Ihre Sache und – Ihr Risiko – Mais rien de risque – rien de success! Bon fortune!“

„A votre santé!“ - „A la votre!“ Lächelnd stoßen sie an, der grauhaarige schmächtige Commandante de Corlieu und Jochen Bergann, der junge Sporttaucher aus Hamburg, aus dem Land, das eben noch mit dem des Commandanten de Corlieu im Kriege stand. Und nun – ja, nun wandeln sich die Pressalien dar Siegermächte in einen kleinen Segen für den Commandante de Corlieu und seinen neuen deutschen Freund. Herr Corileu hatte tatsächlich vor dem Kriege umfassende Pionierpatent für die moderne Schwimmflosse, so wie sie heute in aller Welt zu Millionen hergestellt wird, in den meisten Industriestaaten der Welt unter erheblichen finanziellen Opfern angemeldet. Leider ohne nennenswerten wirtschaftlichen Erfolg. Kaum jemand nahm in den 30er Jahren von dieser Entwicklung Notiz.

Das böse Wort vom „Kriege, das der Vater aller Dinge sei“ bewahrheitete sich leider auch hier. Plötzlich wurden Schwimmflossen nach den Patenten des Herrn de Corlieu hergestellt, in Japan, in Italien, später auch in den USA, England und Frankreich. Leider nur als geheimer Militärausrüstungsgegenstand. Nach Kriegsende begann der Siegeszug der Corlieu-Flosse auch im zivilen wirtschaftlichen Bereich, nur hatte ihr geistiger Vater, der Commandante de Corlieu keinen Nutzen mehr davon, denn in fast allen Ländern, in denen er ein Patent angemeldet hatte, war die Schutzfrist kurz vor dem Ablaufen, und die dortigen Hersteller ignorierten die Patentrechte des Erfinders in Spekulation darauf, dass der alt gewordene, in bescheidenen Verhältnissen lebende Commandante de Corlieu es nicht auf einen Prozess ankommen lassen würde. Sie behielten mit Ihrer Spekulation recht...

In dem besiegten Deutschland lagen die Verhältnisse anders. Ein Kontrollratsgestz hatte kurz nach Kriegsende verfügt, dass alle deutschen Patente von Ausländern um soviel Jahre über die normale Laufzeit hinaus verlängert würden, wie sie durch die kriegerischen Ereignisse nicht wirtschaftlich genutzt werden konnten – eine Regelung im Interesse der ausländischen Inhaber gewerblicher Schutzrechte. Dieses führte zu der sicher nicht beabsichtigten Kuriosität, dass das deutsche Unternehmen „BARAKUDA“ als Generallizenznehmerin des Patentrechts sich in seinem Schutz ungestörter und schneller entwickeln konnte als seine ausländischen Konkurrenten und über zehn Jahre der einzige deutsche Hersteller von Tauchsportausrüstungen blieb. Es führte aber auch dazu, daß der Vater der Schwimmflosse den einzigen wesentlichen Ertrag aus seiner Erfindung ausgerechnet von den ehemaligen Verbündeten nur ausgenutzt, übergangen und ignoriert wurde; ja, nicht einmal in seiner eigenen Heimat zahlten ihm seine Flossenhersteller eine Lizenzgebühr von einer kleinen Ausnahme abgesehen. Der Commandante de Corlieu lebte in seinem Alter neben seiner Rente von den Geldern, die ihm sein deutscher Geschäftsfreund, die „BARAKUDA“, korrekt und pünktlich Jahr für Jahr abrechnete und überwies. Durch das seit 1951 für viele Jahre in Westdeutschland alleinige Herstellungsrecht für die moderne Schwimmflosse aber begann für BARAKUDA eine beispiellose Entwicklung.

Das Jahr 1951

Im Frühjahr 1951 fuhr Jochen Bergann nach Lübeck und führte mit Dr. Dräger die ersten Besprechungen wegen der Produktion eines Sporttauchgerätes. Das Drägerwerk war im Kriege ein bedeutendes Rüstungsunternehmen gewesen, einer der größten Gasmaskenhersteller.So hatte Dr. Dräger berechtigte Bedenken, ein Gerät herzustellen, das noch kriegerischen Zwecken gedient hatte. Schließlich kam aber doch eine Zusammenarbeit und eine Gemeinsamkeit auf dem Tauchgerätesektor zustande, die ebenfalls weit über 15 Jahre die „BARAKUDA“ mit dem Drägerwerk verband.

Das Jahr 1953

1953 brachte „BARAKUDA“ ein neues Tauchgerät heraus, den „Delphin I“, ein Sauerstoffgerät mit geschlossenem Kreislauf. Ein zweites Gerät, der „Tümmler“ folgte. Während in Italien das Sauerstoffgerät unter Sporttauchern sich steigender Beliebtheit erfreute und immer größere Geräte mit Tauchzeiten von mehr als zwei Stunden entwickelt wurden, erkannte man bei uns bald die Gefahr, die ein solches Gerät in den Händen von Amateursportlern bedeutet. Dräger hatte für seine Borgwerk-Schutzgeräte einen atemluftgesteuerten Lungenautomaten entwickelt. Nach diesem Prinzip entstand 1954 das erste deutsche Pressluft-Tauchgerät, der Pendelatmer „Delphin II“ mit einer 5-Liter-Flasche, der viele Jahre unverändert hergestellt wurde und sowohl bei Sporttauchern als auch bei der DLRG und Wasserwacht stark verbreitet war.

Die 50er Jahre

Die BARAKUDA hatte sich in den ersten vier Jahren ihres Bestehens sprunghaft entwickelt. Der Platz wurde bald knapp, und so hielt man Ausschau nach einer neuen Behausung. Schließlich mietete man in einer vornehmen Wohnstraße im Hamburger Stadtteil Eppendorf das Haus eines bekannten Reeders mit einem Grundstück, das eine eigenen Wasserfront zur Alster hatte. Da das Kleid anfangs noch etwas groß war, vermietet man eine Etage an einen Wissenschaftler, der gerade ein junges Unternehmen gegründet hatte, die „Volkswirtschaftliche Gesellschaft e.V.“, das sich in den Jahren danach zu einer großen Unternehmer-Akademie entwickelt hat.

Das Gebäude besaß ein breites, gediegenes Treppenhaus, das von einer großen Glaskuppel im Dach überwölbt wurde. Es war für ein Unternehmen wie BARAKUDA ein Hauch zu elegant.
Mr. Woodstock aus Auckland, der neuseeländische Geschäftspartner von BARAKUDA, machte – wie jedes Jahr im April – seinen Besuch. Man saß in der Halle, fachsimpelte und führte stolz die neuesten Entwicklungen vor. Der Schrei des Jahres 1954 war neben des ersten Naßtauchanzügen aus Moosgummi gewaltige Kohlensäure- und Federdruckharpunen. Besonders letztere waren wahre Monstren, über zwei Meter lang und furchtbar in der Wirkung. - Heini Peters, der Lagermeister, schleppte sie heran. Klaus, der Stift aus dem Verkauf, demonstrierte sie. Doch Mr. Woodstock wollte selbst. - Er setzte mit angelsächsischer Nonchalance den Spannhebel auf die Pfeilspitze und drückte den Pfeil Zentimeter für Zentimeter gegen den Druck der Doppelfeder in das Rohr. Es war wie auf dem Jahrmarkt beim Kraftmesserautomaten. Drei Zentimeter fehlten noch zur vollen Leistung, bis der Pfeilschaft einrastete. Mr. Woodstock, früherer Großwildjäger, wollte sich keine Blöße geben. Seine Adern an den Schläfen schwollen an, der Kopf glühte wie eine rote Signallampe, die Gefahr anzeigt. Er keuchte – noch zwei Zentimeter! Stolz, erwartungsvoll und interessiert schauten die Barakudianer ihm zu. Da , seine schweißnassen Finger hielten den Knebel nicht mehr, ein letztes krampfhaftes Zittern noch, und dann ließ er los.

Auf Cap Carnaveral konnte beim Start einer Weltraumrakete keine größere Spannung herschen als in der Halle von BARAKUDA, in dem Augenblick, in dem der Pfeil gen Himmel schoss, und nicht nur der Pfeil, sondern mit ihm Harpunenkopf und Doppelfeder. Es war, als ob das Harpunenrohr alle seine Eingeweide ausspucken wollte. Und schon hatte der Pfeil infolge der so oft gepriesenen Vau Null der großen BARAKUDA-Harpune den freien Himmelsraum gewonnen, nicht ohne vorher die große Glaskuppel durchstoßen zu haben, wie ein frisch geborenes Küken die Eierschale.- Mit ohrenbetäubendem Geprassel regneten 60 Quadratmeter Fensterglas auf „BARAKUDA-Neuseeland“ herab.

Die Fische im Südpazifik waren fortan vor BARAKUDA-Harpunen sicher. - Als ahnliches später noch einmal in einem Sportgeschäft passierte, wobei sämtliche Vitrinenscheiben zertrümmert, die Stuckdecke durchstoßen und fünf Kunden von oben bis unten mit Öl bespritzt wurden; waren Höhepunkt und Ende der großen Harpunenproduktion bei BARAKUDA erreicht.

Das Jahr 1954

Im Jahre 1954 war der Physiker Dr. Seiffert als Mitarbeiter zu der BARAKUDA-Crew gestoßen. Er befasste sich mit der Übertragung drahtloser Impulse im Wasser mit Hilfe elektrischer Kugelfeder. Unter seiner Leitung wurde bei BARAKUDA in mehrjähriger Arbeit auf der Versuchsstation Bülk das erste drahtlose Unterwasser-Sprechfunkgerät entwickelt, das den Namen „Hydrfon“ erhielt. Seine Ankündigung ziert die Titelseite eines der ersten DELPHIN-Hefte des Jahres 1954. Der Vorgänger der späteren Bundeswehr, das „Amt Blank“, interessierte sich für diese Patente. Sie wurden für „geheim“ erklärt, und damit war diese hoffnungsvolle Entwicklung für den zivilen Sektor gestorben.

Heiß knallte die Sonne auf das Straßenpflaster von San Domingo. Dr. Kurt Ristau stand vor dem Spiegel seines Appartements im Palace-Hotel und wischte sich die schweißnasse Stirn. Trotz der brütenden Hitze schloss er den obersten Kragenknopf und würgte sich einen Binder um. Die Etikette verlangte es so. Die Etikette am Hofe seiner alles gebietenden Herrlichkeit des „Vaters des Volkes“, Trujillo, der unter geheimnisvollen Versprechungen eine Abordnung der BARAKUDA unter Leitung von Dr. Ristau und Dr. Seiffert ins Land geholt hatte. Wäre nicht die Aussicht auf ein interessantes Gespräch gewesen, die Barakudianer hätten den Herrn Diktator mitsamt seiner glühendheißen Insel zum Teufel gewünscht. So aber würgten sie sich fluchend ihr Schlipse um und bestiegen die vor dem Hotelportal wartende Staatskarosse.- „I´m happy to see you!“ - Der feiste Regierungschef blinzelte die Unterwasserexperten aus Germany listig an. Er hatte wirklich eine große Überraschung parat, die BARAKUDA über ein Jahr in Atem halten sollte....

1954 – ein wichtiges Jahr für den deutschen Tauchsport. Der Versuch, den deutschen Schwimmverband für das Flossenschwimmen zu gewinnen, war gescheitert. Man distanzierte sich von den neuartigen Schwimmhilfen, hielt sie nicht für sportgerecht oder sagte Ihnen ein baldiges Ende voraus. Die bis dahin entstanden Tauchsportgruppen, über das ganze Bundesgebiet verteilt, hatten kaum Kontakt miteinander – kein Bindeglied, keine Gemeinsamkeit. Die Zeitschrift des Deutschen Schwimmverbandes hatte ihre Chance, auch Bindeglied für die Sporttaucher zu werden, trotz ständiger Bemühungen nicht wahrnehmen wollen. Da entschloss sich Jochen Bergann Ende 1953, eine eigene deutschsprachige Tauchsportzeitschrift zu gründen. Am 1. Januar 1954 erschien erstmalig der DELPHIN – zwar anfangs noch klein und bescheiden, aber immerhin eine Zeitschrift die nur füpr den Sporttaucher da war – und schon wenige Nummern später, im März 1954, rief der DELPHIN nach vorangegangenen Besprechungen mit den Leitern der Tauchsportgruppen in Deutschland, insbesondere Jens-PeterPaulsen in Hamburg, alle Gruppen in der Bundesrepublik zur Gründungsversammlung des ersten deutschen Tauchsportverbandes in Düsseldorf aus.

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